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„Wir engagieren uns voll und ganz“

Ein Interview zur ehrenamtlichen Selbstverwaltung

Erfahren Sie mehr über die Motivation und Ziele unserer Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter. Das Interview führten wir mit Uwe Klemens, Vorsitzender des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek).

Quelle: GKV-Spitzenverband / Fotograf: Andrea Katheder

Warum engagieren Sie sich in der Selbstverwaltung?

Selbstverwaltung ist ein zentraler Bestandteil unserer Sozialversicherung in unserem gesellschaftlichen Gefüge. In den Sozialwahlen wählen Versicherte, Rentner und Arbeitgeber ihre Vertreter in die Selbstverwaltung – ohne deren Stimme geht nichts. Wer die Beiträge zahlt soll auch mitentscheiden.

Über was entscheiden Sie in der Selbstverwaltung?

Bei den Krankenkassen entscheiden wir über Satzungsleistungen, wie z. B. Bonusprogramme, Wahltarife, Modellvorhaben oder besondere Versorgungsformen. Außerdem verantworten wir alle wichtigen Finanzentscheidungen unserer Kasse. So beschließen wir den Haushalt und entscheiden über die Höhe des Zusatzbeitrages. Im Jahr 2015 ging es da beispielsweise um die Mittelverwendung von rund 214 Milliarden Euro. Zudem entscheiden wir über mögliche Fusionen mit anderen Kassen.

Bei der Rentenversicherung trifft die Selbstverwaltung wichtige Entscheidungen in den Bereichen Finanzen, Organisation, Personal, Rehabilitation. So beschließt die Vertreterversammlung bei der Deutschen Rentenversicherung Bund zum Beispiel den zweitgrößten öffentlichen Haushalt der Bundesrepublik Deutschland und nimmt wichtige Kontroll- und Steuerungsaufgaben wahr.

Wir Selbstverwalter sichern die Unabhängigkeit der Sozialversicherungsträger gegenüber direkten staatlichen Eingriffen. Als gewähltes Mitglied der Selbstverwaltung kann ich die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, in die Entscheidungsprozesse einbringen. Dadurch übernehme ich eine wichtige Vermittlerrolle – zwischen Bürger und Politik, aber auch im Verhältnis von Verwaltung und hauptamtlichen Vorstand In der Sozialversicherung darf man nicht alles der Politik überlassen – die Selbstverwaltung sorgt dafür, dass es so bleibt.

Wie wird man Selbstverwalterin/Selbstverwalter?

Eine einschlägige Ausbildung und Berufserfahrung im jeweiligen Bereich sind sicher von Vorteil, jedoch keine Voraussetzung. Was Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter aber mit Sicherheit brauchen, sind Lebenserfahrung und ein großes Interesse an ihren Mitmenschen und deren unterschiedlichen Lebenssituationen und -entwürfen – vom alleinstehenden jungen und erfolgreichen (Spitzen)sportler über Familien, bis hin zu älteren oder behinderten Menschen. In der Summe aller Selbstverwalter und Selbstverwalterinnen decken wir diese Erfahrungen und Lebensstile ab.

Gefragt sind also in erster Linie Dialogbereitschaft und Menschenkenntnis. Es ist ähnlich wie in der Politik: In einer Demokratie haben Betroffene aktives und passives Wahlrecht, dazu müssen sie keine Profis sein. Das bedeutet: Im Prinzip kann jede und jeder erwachsene Versicherte als ehrenamtliche Selbstverwalterin oder ehrenamtlicher Selbstverwalter gewählt werden.

Lässt sich die Arbeit von Versichertenvertreterinnen und -vertretern mit der Arbeit von Bundestagsabgeordneten vergleichen?

Auch in der Selbstverwaltung wird lebhaft und durchaus kontrovers diskutiert. Allerdings geht es nicht um einen Streit zwischen Parteien oder politischen Programmen – es geht um einen Konsens im Interesse der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler. Hier tauschen ehrenamtliche Mitglieder ihre Erfahrungen aus und diskutieren alle grundsätzlichen Fragen ihres Trägers. Da kommt viel Lebens- und Berufserfahrung zusammen. In den Ausschüssen bereiten wir die Entscheidungen vor.

Was unterscheidet die Arbeit als ehrenamtliche Selbstverwalterin oder ehrenamtlicher Selbstverwalter von der Arbeit hauptamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Wir arbeiten nicht weisungsgebunden. Was so abstrakt „gelebte Demokratie“ heißt, bedeutet konkret: Wir können die soziale Absicherung der Menschen aktiv mitgestalten. Dazu zählen die Beratung der Politik bei Gesetzesvorhaben ebenso wie die Debatten und Entscheidungen im Verwaltungsrat bzw. der Vertreterversammlung.

Wir haben das Ohr an der Basis. Denn wir wollen wissen, was die Versicherten, Rentner und Arbeitgeber heute konkret brauchen. Das fließt immer in unsere Entscheidungen ein. Da geht es beispielsweise um Satzungsleistungen von Krankenkassen oder Behandlungsmethoden und -standards in der Reha, Beratungsangebote und noch um vieles mehr. Wir arbeiten dabei natürlich eng mit der hauptamtlichen Verwaltung zusammen. Dabei treten wir auch als im Verhältnis zur Verwaltung als unabhängige Vertreterinnen und Vertreter auf.

»Wir haben das Ohr an der Basis. Denn wir wollen wissen, was die Versicherten, Rentner und Arbeitgeber heute konkret brauchen.«

Wie werden Sie denn für Ihre Arbeit bezahlt?

Wir werden für unsere Arbeit nicht bezahlt – das ist ja die Grundidee einer ehrenamtlichen und eigenständigen Selbstverwaltung. Wir erhalten Aufwandsentschädigungen für unsere Auslagen.

Was motiviert Sie als Selbstverwalter, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Die Sozialversicherung in Deutschland versichert die bedeutsamsten Wechselfälle des Lebens wie Krankheit, Arbeitsunfähigkeit und Eintritt in die Rente. Die Interessen der Beitragszahler selbst in die Hand zu nehmen – dieses Credo der Selbstverwaltung hat seinen Reiz bis heute nicht verloren. Wo können Sie sich schon noch so effektiv für die existenziellen Belange der Menschen in diesem Land einsetzen? Also wieder „gelebte Demokratie“ – das motiviert.

Was haben die Versicherten denn ganz konkret davon?

Als gewählte Vertreterinnen und Vertreter in den Parlamenten verschaffen wir den Interessen der Beitragszahler Gehör. Zudem sorgen wir für Leistungen, die ihnen direkt zugutekommen. Dazu zählt zum Beispiel das schnelle und kostenlose Beratungsangebot für Rentenversicherte. Dafür engagieren sich mehrere Tausend ehrenamtliche Versichertenberaterinnen und -berater täglich in ganz Deutschland. Sie beraten in allen Fragen rund um die Rente.

In den Widerspruchsausschüssen der Rentenversicherung und der Krankenkassen überprüfen Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter im Einzelfall auf Antrag der Versicherten noch einmal die Entscheidungen des Versicherungsträgers, wie zum Beispiel Rentenbescheide oder Bescheide zu Anträgen auf besondere medizinische Leistungen. Die Verwaltungsräte der Krankenkassen entscheiden zudem über Bonusprogramme, Wahltarife oder neue Versorgungsformen, um ihren Versicherten eine bestmögliche Versorgungsqualität zu bieten.

Wie können sich Versicherte mit ihrem Anliegen an Sie wenden?

Versicherte können ganz einfach bei ihrem Rentenversicherungsträger oder ihrer Krankenkasse anrufen oder eine E-Mail schicken. Jedes Anliegen ist uns wichtig.

Wie erfahren Versicherte von den Ergebnissen Ihrer Arbeit?

Wer sich für unsere Arbeit interessiert, findet viele Informationen dazu auf den Internetseiten der Krankenkassen oder der Deutschen Rentenversicherung. Auch die Zeitschrift „zukunft jetzt“ und die Mitgliedermagazine der Träger berichten regelmäßig über unsere Arbeit. Zudem sind die Sitzungen der Versichertenparlamente in der Regel öffentlich.

Was wünschen Sie sich von Seiten der Politik?

Wir wünschen uns, dass die Politik Selbstverwaltung tatsächlich stärkt und der ihr auch den Raum für die Gestaltung der Versorgung für ihre Versicherten lässt.

Wir sorgen durch unsere Arbeit für den wirtschaftlichen und effizienten Einsatz der Beitragsgelder. Das scheint Politikern immer wieder aus dem Blick zu geraten. Und da sind wir wieder am Anfang unseres Gesprächs: Selbstverwaltung ist fester Bestandteil unserer Sozialordnung. Zu der gehört eine Sozialversicherung, die den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird. Hier dürfen wir keine Abstriche zulassen. Dafür engagieren wir uns.

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